Aus der Geisterzone

Es ist gruselig geworden, nicht? Wenn sich Leute auf der Straße begegnen, gibt es keinen Blickkontakt, geschweige denn, dass jemand grüßt oder lächelt. Viele drehen den Kopf weg (selbst wenn man mehrere Meter entfernt vorbeigeht) und atmen in die andere Richtung.

Nu ja, ich hatte ja schon immer die Vermutung, dass der vielbeschworene Zusammenhalt der Bevölkerung so dünn ist wie eine Backoblate.

Das sieht man auch im Supermarkt. Falls ich mal ein Buch über eine postapokalyptische Gesellschaft schreiben will, weiß ich jetzt auf jeden Fall, um welche Waren die Leute sich prügeln werden. Erstmal Klopapier, dann Zucker und Mehl. Wäre nicht meine erste Vermutung gewesen.

War nur Spaß. Ich habe keine Ahnung, wann ich wieder schreiben kann, da von morgens bis abends eine unterforderte, vereinsamte Zweijährige um mich herumhüpft. Wer glaubt, dass man im „Homeoffice“ arbeiten kann ohne Hilfe einer Kita, der muss dringend seinen Kopf untersuchen lassen.

Ich hoffe nur, der Versuch ein ganzes Land unter Hausarrest zu stellen, bringt tatsächlich die erhoffte Wirkung, nämlich die Ansteckungsraten einzudämmen. Statt bloß die Existenzen von Betrieben und Selbstständigen zu gefährden. Im Moment kann man leider nur vermuten, was wirklich hilft. Das sieht man dann wohl über die nächsten Monate.

Dabei habe ich noch Glück. Ich bin auf meine Einnahmen als Autorin nicht angewiesen – ich merke es zwar, aber ich sterbe nicht gleich. Außerdem wohne ich am Wald und kann viel draußen sein, ohne dabei sogenannte „Sozialkontakte“ zu haben. Dort kann ich auch das Kind ein bisschen austoben. Wer in der Innenstadt wohnt, hat es wahrscheinlich viel schwerer.

Allerdings gibt es einen Ort, wo mir definitiv zuviele Leute sind: Facebook. Da gehe ich nicht mehr hin. Ich brauche keine panischen Fehlinformationen-Memes, keine salbungsvollen Hashtags (ernsthaft, Leute: Hashtags? Seid ihr zwölf?!) und vor allem kein Gesabbel mehr zum Thema Corona-Virus von Leuten, die keine Ahnung von Medizin haben. Die einzige Website, wo ich Informationen zum Thema Corona hören möchte, ist die Website des Robert-Koch-Instituts. Alle anderen sollen mal klarkommen auf ihr Leben.

Wenn irgendjemand versucht, mich in ein Gespräch über Corona zu verwickeln, dann verwickle ich ihn einfach in ein Gespräch über diese indonesische Seegurke, die fünf Zähne am Hintern hat. Oder über die Tatsache, dass Giraffen sich mit der Zunge in der Nase popeln.

PS: Ich würde gern ein paar Lesungs-Videos zuhause vom Sofa aus aufnehmen, damit die Leute, deren Lesungen ausgefallen sind, zumindest virtuell in den Genuss kommen. Leider weiß ich nicht, wann ich dazu kommen soll. Wenn ich es geschafft habe, werde ich laut tröten.

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